Legofiguren in Kampfposition

Wie viel Streit unter Geschwistern ist normal?

Manchmal ist es eine Handlung. In einigen Fällen reicht auch nur ein falscher Blick. Manchmal ist es auch der Atem, der zu laut ist; das Kauen, das nervt oder die reine Anwesenheit, die als störend empfunden wird. Ganz nach dem Motto „Wenn ich mich aufregen und streiten möchte, finde ich auch einen Grund, um mich aufzuregen und zu streiten“ streiten sich Geschwister über die seltsamsten Dinge. Doch, wie viel Streit unter Geschwistern ist normal?

Wenn Sie selbst mit Geschwister aufgewachsen sind oder mehrere Kinder haben, wissen Sie, dass sich Geschwister streiten. Streit unter Geschwistern scheint mit zu der Tagesordnung zu gehören und Eltern empfinden den Streit oft als normal.

Sicherlich stimmt es, dass sich Geschwister recht oft streiten. Doch wie viel Streit ist normal? Sollten Sie als Elternteil eingreifen? Sollten Sie sich lieber raushalten?

Warum streiten Geschwister?

Bevor wir genauer darauf eingehen, wie Sie sich bei Streit unter Geschwistern verhalten und wie viel Streit normal ist, erfahren Sie hier, warum sich Geschwister streiten. Denn oft stellt der Auslöser für den Streit für die Eltern ein Mysterium dar. In vielen Fällen fällt es Eltern schwer nachzuvollziehen, warum sich die Geschwister anschreien und mit Gegenständen bewerfen.

Oft rutscht Eltern der Satz „Das ist kein Grund, um zu streiten“ heraus, wenn sie meinen, den Auslöser ausgemacht zu haben. Doch auf genau diesen Satz sollten Sie verzichten, wenn sich Ihre Kinder streiten.

Denn:

  1. Sie wissen nicht zu 100 Prozent, welcher Auslöser hinter dem Streit steckt.
  2. Für Sie belanglose Auslöser stellen für Ihre Kinder nicht selten bedeutsame Dinge dar.

Spielen Sie die Auslöser aus diesem Grund nicht hinunter, sondern nehmen Ihre Kinder ernst. Doch, welche Auslöser führen nun dazu, dass sich Ihre Kinder streiten? Um was streiten sich Kinder? Grundsätzlich gibt keine pauschale Aussage eine Antwort auf diese Frage. Denn Kinder streiten sich, wenn sie Lust haben, über die unterschiedlichsten und banalsten Dinge.

Die bekanntesten Auslöser für den Streit unter Geschwistern stellen allerdings die Folgenden dar:

  • Ein Kind nimmt dem anderen Kind etwas weg.
  • Während ein Kind alleine sein möchte, nervt das andere Kind permanent und lässt ihm keine Ruhe.
  • Alle Kinder wollen auf einem Platz sitzen, genau denselben Keks oder dasselbe Glas.
  • Das Eis des einen ist etwas größer als das Eis des anderen.
  • Ein Kind möchte seine Süßigkeiten nicht teilen.
  • Jedes Kind möchte als erstes mit einem technischen Gerät spielen.
  • Alle Kinder wollen eine andere Serie im Fernseher sehen. Ein Kind spricht während der Serie oder des Films.
  • Jedes Kind möchte beim Vorlesen auf dem Schoß von Mama oder Papa sitzen.

Diese Liste umfasst nur einen Bruchteil der Auslöser, die Kinder dazu verleiten, zu streiten. Spielen Sie die Auslöser aus diesem Grund nie herunter. Gehen Sie immer davon aus, dass der Streit für Ihre Kinder einen triftigen und wichtigen Grund hat.

Wenn Eltern viel Streiten

Streiten Sie sich als Eltern viel, führt das unter Umständen dazu, dass auch die Kinder viel streiten. Beobachten Sie sich einmal genauer. Wie reagieren Sie, wenn der Partner mal wieder nicht die Toilettenpapier-Rolle gewechselt hat? Was machen Sie, wenn die Partnerin die Küche mal wieder vollkommen schmutzig hinterlassen hat? Suchen Sie das Gespräch oder nehmen Sie die Situation sofort als Grund, um sich zu streiten?

Streiten Eltern viel vor Ihren Kindern, denken Kinder, dass sie jeden Konflikt mit Streit lösen müssen. Sie kennen es schlicht und ergreifend nicht anders.

Das bedeutet nicht, dass Sie als Eltern nicht streiten dürfen. Achten Sie jedoch darauf, worüber Sie sich streiten. Was löst den Streit zwischen Ihnen als Eltern aus? Wenn Sie vor den Kindern streiten, zeigt das Ihren Kindern durchaus, dass auch Mama und Papa nicht immer einer Meinung sein müssen. Achten Sie jedoch immer darauf, dass sie respektvoll miteinander umgehen und sich nach dem Streit wieder versöhnen.

Sie zeigen Ihren Kindern somit, dass Sie auch im Streit:

  • Respekt haben sollten.
  • Nicht verletzen sollten.
  • Ihre Meinung vertreten können.

Zudem sind Sie Ihren Kindern bezüglich der Versöhnung ein Vorbild. Wer streitet, kann sich hinterher auch wieder versöhnen. Sie zeigen Ihren Kindern aber auch, dass sie sich nicht immer streiten müssen. Leben Sie den Kindern vor, dass Sie durch Gespräche Missverständnisse aus der Welt schaffen und Probleme lösen können, ahmen Ihre Kinder dieses Verhalten nach.

Probleme mit dem Ausdrücken der Gefühle

Kind mit wütendem Gesichtsausdruck

Die oben genannten Auslöser und auch viele weitere Umstände stellen für Kinder sehr große und fundamentale Probleme dar. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass die Kinder Schwierigkeiten damit haben, ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse in Worte zu fassen. Vor allem kleinen Kindern mangelt es nicht selten an dem dafür notwendigen Wortschatz.

Gesellen sich dazu die Wut und der Frust, fällt es noch schwerer, die Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und zu kommunizieren.

Um dennoch zu zeigen, dass sie mit einer bestimmten Situation nicht einverstanden und unzufrieden sind, streiten sich Kinder mit ihren Geschwistern. Greifen Sie genau aus diesem Grund nur ein, wenn Ihre Kinder handgreiflich werden. Wie Sie am besten mit dem Streit zwischen Geschwistern umgehen, erfahren Sie noch etwas detaillierter in einem Abschnitt weiter unten.

Wie viel Streit unter Geschwistern ist normal?

Legofiguren in Streitposition

Eine Frage, die sich viele Eltern nun stellen, stellt die Frage danach dar, wie viel Streit unter Geschwistern normal ist. Wann müssen Sie sich Sorgen machen? Da Geschwisterkinder in einem Haushalt zusammenleben, stellen sich Konfliktsituationen nicht selten ein. In der Regel streiten Kinder circa alle 20 Minuten.

Das empfinden Experten als vollkommen normal. Machen Sie sich somit keine Sorgen, wenn Ihre Kinder mehrmals täglich streiten.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Ihre Kinder alle 20 Minuten streiten müssen. Einige Geschwisterkinder streiten mehr, während andere über Stunden hinweg friedlich miteinander spielen.

Streit unter Geschwistern stellt an und für sich einen vollkommen normalen Zustand dar. Menschen streiten sich. Doch, wie normal ist der Streit unter Geschwistern? Diese Frage mag auf den ersten Blick etwas komisch erscheinen. Allerdings sollten sich Eltern diese Frage viel öfter stellen, da sie den Streit unter Geschwistern viel zu oft banalisieren.

Würden sich zwei Kinder so streiten, wie sich Geschwister teilweise streiten, würden Menschen direkt eingreifen. Doch bei Geschwistern tritt häufig das Phänomen ein, dass der Streit heruntergespielt und, wie schon gesagt, banalisiert wird.

Dass Eltern und allgemein die Gesellschaft den Streit unter Geschwistern banalisiert, zeigt folgender Umstand bestens auf:

Werden Kinder gefragt, ob sie schon einmal Gewalt ausgeübt haben, verneinen viele Kinder die Frage. Auf die Frage, ob sie Geschwister im Streit schon einmal verletzt haben, antworten viele jedoch mit „ja“. Verletzen sich Geschwister im Streit, stellt das genauso eine Verletzung dar, wie wenn Kinder anderen Kindern Gewalt zufügen.

Somit banalisieren viel zu viele Eltern den Streit unter Geschwistern und fassen ihn als viel zu normal und selbstverständlich auf.

Zwillinge und gleichgeschlechtliche Geschwister streiten im Durchschnitt mehr

Zwei Mädchen mit Distanz zueinander

Führen Sie sich immer vor Augen, dass es sich bei den Informationen und Angaben um durchschnittliche und geschätzte Werte handelt. Jede Familie setzt sich anders zusammen und jede Geschwisterbeziehung gestaltet sich anders. Allerdings geben Experten an, dass sich vor allem Zwillinge und gleichgeschlechtliche Geschwister im Durchschnitt mehr streiten, als andere Geschwister-Konstellationen.

Auch der Altersunterschied wirkt sich auf die Häufigkeit des Streitens unter Geschwistern aus. Oft streiten sich Geschwister, die einen geringen Altersunterschied aufweisen öfter, als Geschwister, die mehrere Jahre auseinanderliegen.

Deshalb streiten sich Zwillinge – vor allem, wenn sie dasselbe Geschlecht haben – öfter. Das liegt unter anderem an der Tatsache, dass die Kinder ähnliche Interesse verfolgen.

Die Rolle der Eltern, wenn Geschwister streiten

Frau mit zwei Kindern auf einer Bank

Wie verhalten sich Eltern am besten, wenn sich die Kinder streiten? – Eingreifen oder nicht eingreifen, das ist hier die Frage. Auf der einen Seite banalisieren viele Eltern den Streit unter Geschwistern.

Auf der anderen Seite neigen genauso viele Eltern dazu, viel zu schnell in den Streit einzugreifen. Was ist richtig und was ist falsch?

Die Unterscheidung zwischen „richtig“ und „falsch“ ist an dieser Stelle unangebracht. Vielmehr ist es wichtig, dass Sie die Situation ernst nehmen und beobachten. Denn jeder Streit gestaltet sich anders. Jedes Kind weist eine andere Persönlichkeit auf, sodass sich unterschiedliche Dynamiken zwischen den Geschwistern bilden, wenn sie streiten.

Führen Sie sich vor Augen, dass Streit an und für sich nichts Schlimmes ist. Mit der richtigen Begleitung und dem gezielten Eingreifen, wenn es kritisch wird, wirkt sich Streit durchaus positiv auf Ihr Kind aus. Denn Streit stellt einen wichtigen Punkt für die Persönlichkeitsentwicklung Ihrer Kinder dar. Ihre Kinder lernen, für sich einzustehen und Ihre Gefühle zu zeigen.

Indem Sie in den Streit eingreifen, lösen Sie das Problem nicht. Halten Sie sich aus diesem Grund zurück und nehmen die Rolle des Beobachters ein. Schreiten Sie nur ein, wenn Ihre Kinder aufeinander losgehen und sich verletzen. Dasselbe gilt für psychisch schlimme Beleidigungen und Verletzungen.

Der Streit stellt zudem einen wichtigen Schritt bezüglich der Sozialisation dar. Durch das Streiten lernen Ihre Kinder, aus Konflikten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nehmen Sie Ihren Kindern durch ein zu schnelles Eingreifen diese Erfahrung, wird es später sehr viel häufiger auf Probleme und Konflikte in Gruppen treffen und diese nicht zu lösen wissen.

Das können Sie machen, wenn Geschwister streiten

Nehmen Sie in allererster Linie die Rolle des Beobachters ein. Legen Sie für sich selbst klare Regeln fest und bestimmen, wann Sie in den Streit eingreifen wollen.

Um bei einem Streit positiv auf Ihre Kinder einwirken zu können, helfen Ihnen die folgenden Tipps:

  • Nehmen Sie nicht automatisch das jüngere Kind in Schutz. Oft fällt der Satz „Du bist älter und müsstest es eigentlich besser wissen“. Dieser Satz hilft dem älteren Kind jedoch nicht und greift es nur noch mehr an. Gehen Sie nicht davon aus, dass die Schuld immer bei dem älteren Kind liegt. Geben Sie dem älteren Kind nicht die alleinige Verantwortung für den Streit.
  • Bitten Sie Ihre Kinder, sich nicht anzuschreien, sondern in einem ruhigen Ton miteinander zu sprechen. Schreien sich die Kinder an oder jammern und weinen während sie streiten, verstehen sie sich in der Regel nicht. Das führt zu noch mehr Ärger und Missverständnissen, die den Streit verschlimmern könnten.
  • Schlagen Sie sich nicht auf eine Seite, sondern nehmen eine neutrale Position ein. Erklären Sie dem älteren Kind jedoch durchaus, dass das kleinere Geschwisterkind bestimmte Dinge noch nicht versteht. Erklären Sie einem kleineren Kind wiederum, dass das ältere Kind vielleicht seinen Freiraum möchte. Seien Sie ein Vermittler.
  • Machen Sie Lösungsvorschläge und helfen Ihren Kindern somit dabei, Lösungen zu finden und Kompromisse zu schließen. Erwähnen Sie in diesem Zusammenhang auch, dass niemand Konflikte durch Schlagen, Schubsen und Schreien – allgemein durch Gewalt – löst.

Lässt sich Streit unter Geschwistern vermeiden?

Das Leben ist nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen. Eine Beziehung, in der sich nie Konflikte bilden und in der die Beteiligten nie streiten, stellt keine gesunde Beziehung dar. Das trifft nicht nur auf Partnerschaften, sondern auch auf die Beziehung unter Geschwistern zu. Somit stellt Streit an und für sich nichts dar, was Sie mit aller Kraft unterdrücken und unterbinden müssen.

Streit verbieten = Gefühle verbieten

Kinder drücken durch den Streit ihre Gefühle aus. Möglicherweise fühlt sich ein Kind ungerecht behandelt. Vielleicht verspürt ein anderes Kind Traurigkeit, weil es sich ausgegrenzt und nicht gesehen fühlt. Kinder drücken durch den Streit ihre Wut, Enttäuschung oder auch ein anderes Gefühl aus. Streit zu verbieten kommt als dem Verbieten von Gefühlen gleich. Geben Sie Ihren Kindern die Chance, Ihre Gefühle zu erleben und auszudrücken. Das bedeutet nicht, dass der Streit den einzigen Weg darstellt, um Gefühle auszudrücken.

Demnach haben Sie als Eltern einige Möglichkeiten, um die Konfliktsituationen abzuwenden:

  • Nehmen Sie sich für jedes beteiligte Kind Zeit. Hören Sie ihm zu und geben ihm 15 Minuten am Tag Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. So nehmen Sie der Rivalität und dem Schrei nach Aufmerksamkeit den Wind aus den Segeln.
  • Merken Sie, dass ein Kind allein sein mag, vermitteln Sie den anderen Kindern dieses Bedürfnis. Am besten steht Ihnen ein Raum oder ein Teil des Wohnzimmers zur Verfügung, an dem sich das Kind ungestört aufhalten kann.
  • Zeigen Sie Ihren Kindern zudem, dass sie andere Möglichkeiten haben, um ihre Gefühle auszudrücken. Nicht immer muss der Ausdruck der Gefühle über Streit erfolgen. Die Kommunikation unter Geschwistern stellt hierbei das A und O dar.

Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, wenn Ihre Kinder streiten. Streit unter Geschwistern ist in einem gewissen Rahmen normal. Ein beliebter Spruch sagt: „Menschen, die wir am meisten lieben, bringen und am meisten auf die Palme.“ Artet Streit jedoch aus, liegt es in Ihrer Verantwortung zu vermitteln und zu schlichten. Banalisieren Sie den Streit nicht und beobachten Ihre Kinder achtsam, wenn sie sich mal wieder nicht leiden können.

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