kind mit Computer in der Hand

Warum Kinderfotos nicht ins Internet gehören

Eltern lieben ihre Kinder, feiern jeden neuen Entwicklungsschritt und freuen sich über jeden Erfolg, den das Kind erzielt. Am liebsten würden sie es der ganzen Welt mitteilen, wie sehr sie ihre Kinder lieben und wie stolz sie auf die kleinen Menschen sind, für die sie eine unendliche Liebe empfinden. Doch Kinderfotos gehören nicht ins Internet.

Um die Liebe zu dem Kind mit anderen Menschen zu teilen, greifen viele Eltern auf das sogenannte „Sharenting“ zurück und teilen Fotos im Internet. Wenngleich Eltern mit dem Teilen der Fotos eigentlich nur ihre Liebe und ihren Stolz ausdrücken wollen, provozieren sie in vielen Fällen leider genau das Gegenteil.


Denn, Kinderfotos gehören nicht ins Internet. Eine junge Frau aus Österreich hat sogar ihre Eltern verklagt, weil sie Fotos von ihr im Internet teilten. Die Eltern müssen sich nun vor Gericht verantworten und möglicherweise mit einer Geldstrafe im vier- bis fünfstelligen Bereich rechnen.

Doch, warum gehören Kinder nicht ins Internet? Was genau dürfen Sie sich unter „Sharenting“ vorstellen? Dürfen Sie wirklich gar keine Fotos von Kindern teilen oder gibt es Ausnahmen, Tipps und Tricks?

Die modernen Eltern und das „Sharenting“

Kind hält Hände vor das Gesicht

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas von dem Begriff „Sharenting“ gehört. In der heutigen Zeit herrscht ein sehr großes Konkurrenzdenken unter den Eltern.

  • Wer erzieht am besten?
  • Wessen Kind läuft als erstes?
  • Wer sagt als erstes das erste Wort?

Doch nicht nur das Konkurrenzdenken, sondern das übermäßige Teilen von Informationen stellt einen ausschlaggebenden Aspekt der heutigen Generation dar.

Das Wort „Sharenting“ selbst setzt sich dabei aus den beiden englischen Begriffen „to share“ und „parenting“ zusammen.

To shareParenting
Etwas teilenElternschaft

Das bedeutet, dass sich hinter dem Begriff das Teilen von privaten Kinderfotos oder Videos durch die Eltern versteckt.

Auch, wenn Eltern keine bösen Absichten mit dem Teilen der Bilder oder Videos haben – eher im Gegenteil – sprechen viele Gründe gegen das „Sharenting“. Um welche Gründe es sich dabei handelt, behandelt dieser Artikel etwas genauer.

Eigentlich muss das Kind dem Teilen der Bilder zustimmen

Kinder besitzen, genau wie erwachsene Menschen, eine unantastbare Würde. Nur, weil sie jünger und kleiner sind, bedeutet das nicht, dass Erwachsene einfach gegen ihre Wünsche und vor allem nicht gegen ihre Würde handeln dürfen.

Basierend auf diesem Grundsatz müssen Kinder eigentlich erst ihre Erlaubnis erteilen, bevor Erwachsene ein Bild von ihnen im Internet teilen. Allerdings bestimmt der Gesetzesgeber, dass:

  • Die Entscheidung bei Kleinkindern bei den Eltern liegt. Denn Kinder können die Reichweite und die Konsequenz des Teilens des Bildes im Internet noch nicht einschätzen.
  • Ab einem Alter von 13 Jahren können Kinder die Auswirkungen des Teilens von Fotos im Internet durchaus einschätzen. Eltern dürfen Fotos somit nicht ohne die Erlaubnis der Teenager im Internet teilen.

Wahren Erwachsene das Recht auf Privatsphäre der Kinder nicht, können sie durchaus mit einer theoretischen Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe rechnen.

Doch, selbst, wenn Eltern die Verantwortung für das Teilen der Bilder tragen, bis das Kind 13 Jahre alt ist, bedeutet das nicht, dass Sie den Freifahrtschein in der Hand halten, mit dem Sie nach Lust und Laune Bilder teilen dürfen.

Denn es sprechen sehr viele Gründe gegen das Teilen von Kinderfotos im Internet.

Darum gehören Kinderfotos nicht ins Internet

Wie schon gesagt, sprechen viele Gründe gegen das Teilen von Kinderfotos im Internet. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass es sich bei einem Kind um eine eigenständige Person mit einer eigenen Würde und einer eigenen Privatsphäre hat.

Nur, weil Kinder von Erwachsenen abhängig sind, bedeutet das nicht, dass Erwachsene das vollkommene Bestimmungsrecht über die Kinder haben.

Die Privatsphäre des Kindes

Aufschrift "Private" auf rotem Hintergrund

Der erste Grund, der gegen das Teilen von Kinderfotos im Internet spricht, besteht in der Privatsphäre des Kindes. Fotos, die sich einmal im Internet befinden, verschwinden nicht so einfach wieder. Auch nach mehreren Jahrzehnten sind sie immer noch zugänglich für Menschen. Ein bekannter Spruch sagt so schön, dass Geschmäcker verschieden sind.

Nur, weil Eltern ein bestimmtes Bild als „schön“ und „süß“ empfinden, heißt das nicht, dass sich Kinder später nicht einmal dafür schämen.  

Wer ein Bild ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Menschen teilt, verletzt die Privatsphäre – egal, ob es sich um einen Kollegen, einen Fremden oder das eigene Kind handelt!

Cyber Mobbing

Eben aufgrund der Tatsache, dass im Internet geteilte Fotos nicht einfach wieder verschwinden, stellt das „Cyber Mobbing“ eine große Gefahrenquelle dar.

Leider findet diese moderne Form des Mobbings immer mehr Anwendung unter Jugendlichen. Um zu verhindern, dass ein peinliches Kinderbild zu Mobbing im Internet führt, teilen Sie am besten gar keine Fotos.

Sexualisierung der Fotos

Besonders schlimm wird es, wenn Fotos von Kindern in das Visier von Pädophilen geraten. Vor allem Nacktbilder ziehen die Aufmerksamkeit von Menschen auf sich, die gezielt nach Kinderbildern suchen, um sie für sexuelle Zwecke zu verwenden.

Doch, nicht nur Nacktbilder von Kindern, sondern auch eigentlich harmlose Kinderbilder geraten oft in das Visier der Täter und Täterinnen. Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass eine realistische Gefahr besteht, dass Menschen ein harmloses Kinderbild für sexuelle Zwecke missbrauchen.

Cyber-Grooming

Wer Fotos von den Kindern teilt und dabei vielleicht den Straßennahmen des eigenen zu Hauses teilt oder für alle sichtbar macht, wo das Kind zur Schule geht oder seine Freizeit verbringt, macht sich sehr schnell zu einem potenziellen Opfer des sogenannten Cyber-Groomings.

Sprich: Durch die unbewusst geteilten Informationen über das Teilen der Bilder, werden andere Menschen auf den Aufenthaltsort des Kindes aufmerksam und treten bewusst mit ihnen in Kontakt oder suchen sie – im schlimmsten Fall – persönlich auf.

Fakten, Fakten, Fakten

Der Report über Kinderbilder auf Instagram der „Initiative Jugendschutz.net“ von Bund und Ländern hat 2019 ganz klare Fakten aufgezeigt. Unter 50 analysierten Profilen – nur auf einer einzigen Plattform von vielen unterschiedlichen – kam es zu den folgenden Ergebnissen:

  • 29 Elternprofile.
  • 21 Profile von Eltern, die sie für ihre Kinder führen.
  • 49 der 50 Profile haben Persönlichkeitsrechte von Kindern verletzt.
  • 62 Prozent der Bilder zeigen Kinder in intimen Situationen (Schlafend, im Badezimmer, etc)
  • 12 Prozent der Profile teilten Bilder von Kranken Kindern oder Kindern beim Besuch beim Arzt.

Darf ich gar keine Bilder meiner Kinder teilen?

Fotoalbum mit noch nicht eingeklebten Fotos

Eltern fragen sich nun natürlich, ob gar keine Kinderbilder ins Internet gehören. Dürfen sie gar keine Fotos mehr teilen, auf welchen die Kinder zu sehen sind? Am besten wäre es natürlich, wenn Sie Bilder nur mit engen Verwandten und Freunden teilen und nicht auf sozialen Medien oder einem Messenger-Service veröffentlichen.

Wer dennoch die Entscheidung trifft, die Kinder auf den sozialen Medien zu teilen, sollte sich im Voraus ein paar fundamentale Dinge zu Herzen nehmen. Denn, es gibt durchaus Möglichkeiten, die Kinder mit anderen Menschen teilen zu können, ohne sie für alle erkennbar zu machen.

Zeigen Sie das Kind so, dass es nicht zu erkennen ist

Sie dürfen Ihr Kind durchaus zeigen, solange niemand erkennen kann, dass es sich um Ihr Kind handelt. Sprich: Machen Sie es durch ein paar einfache Tipps und Tricks unkenntlich. Für diese Zwecke stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Machen Sie nur einen Ausschnitt, zum Beispiel von den Beinen, der Hand oder dem Fuß.
  • Fotografieren Sie Ihr Kind nur von hinten.
  • Setzen Sie Ihrem Kind eine Sonnenbrille oder eine Maske auf, um es unkenntlich zu machen.
  • Machen Sie das Bild unscharf, in dem Sie es verpixeln.
  • Greifen Sie auf die weite Bandbreite an Emojis zurück, um damit das Gesicht des Kindes zu verstecken.

Achten Sie auf die Situation des Bildes

Legen Sie sehr großen Wert darauf, dass es sich bei der Situation des Bildes um eine angemessene Situation handelt. Denn sehr viele Momente bieten sich nicht für das Teilen auf sozialen Netzwerken an.

Wenn das Kind:

  • nackt ist
  • leicht bekleidet ist
  • nur in Badesachen ist
  • schläft
  • im Badezimmer ist

sollten Sie auf keinen Fall das Bild teilen – selbst dann nicht, wenn Sie das Kind zuvor unkenntlich gemacht haben. Es handelt sich bei den genannten Situationen um intime Momente, die nicht ins Internet gehören.

Dasselbe trifft auf peinliche Situationen zurück, für welche sich Kinder möglicherweise später einmal schämen könnten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie das Bild als lustig empfinden oder nicht Schlimmes in ihm sehen.

Fragen Sie um Erlaubnis

Nehmen Sie sich nicht einfach das Recht heraus, darüber bestimmen zu können, ob Sie ein Bild teilen oder nicht. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Kind und fragen um seine Erlaubnis.

Besonders große Vorsicht sollten Sie dann walten lassen, wenn es sich nicht nur um Ihr Kind handelt, sondern auch weitere Kinder auf dem Bild zu sehen sind. Selbst, wenn Sie auch die anderen Kinder unerkenntlich machen, müssen Sie sich vor dem Teilen des Fotos die Erlaubnis der Eltern einholen.

Verzichten Sie immer auf das Teilen von personenbezogenen Daten

Wie schon gesagt, stellt das Online-Grooming ein sehr großes Risiko bezüglich des Teilens von Kinderfotos im Internet dar. Umso wichtiger gestaltet sich für Sie der Hinweis, keine personenbezogenen Daten zu teilen.

Sprich: Informationen, wie der

  • vollständige Name Ihres Kindes
  • aktuelle Aufenthaltsort
  • Wohnort
  • Alltag und die Vereine, die es besucht

haben absolut nichts im Internet zu suchen. Achten Sie in diesem Zusammenhang auch immer darauf, die Bilder nur hochzuladen, wenn Sie zuvor die Ortsbestimmung deaktiviert haben. Sicherlich sollen Sie Ihr Leben nicht in Angst leben, doch, wie sagt man so schön? – „Die Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“ Schützen Sie Ihr Kind so gut Sie können.

Überprüfen Sie die Einstellungen bezüglich der Privatsphäre und der Sicherheit

Auf den sozialen Medien finden immer wieder Updates statt. In Regelmäßigen Abständen kommt es zu Neuerungen, was Sie dazu veranlassen sollte, immer wieder nach den Einstellungen der Privatsphäre und der Sicherheit zu sehen.

Prüfen Sie in diesem Zusammenhang unter anderem die folgenden Aspekte und nehmen unter Umständen entsprechende Veränderungen an den Einstellungen vor:

  • Wer kann meine geposteten Inhalte sehen?
  • Habe ich die Personen, die meine Inhalte sehen können wirklich nur auf die Menschen begrenzt, die ich kenne?
  • Wie gestaltet sich meine Freundesliste? Habe ich möglicherweise Menschen in ihr, die ich gar nicht kenne?

Holen Sie sich die Zustimmung des Kindes

Zu guter Letzt sollten Sie sich immer die Zustimmung des Kindes einholen. Versuchen Sie nicht, es zu überreden oder ihm ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn es nicht möchte, dass Sie bestimmte Bilder von ihm teilen.

Akzeptieren und respektieren Sie seinen Willen und seine Privatsphäre. Nur so zeigen Sie ihm, dass Sie seine Grenzen respektieren und, dass seine Grenzen richtig und wichtig sind. Denn das Überschreiten der Grenzen führt unter Umständen dazu, dass es den Eindruck erhält, ein Überschreiten seiner Grenzen sei in Ordnung.

Nur, indem Sie die Grenzen des Kindes respektieren, schützen Sie es dauerhaft vor Gefahrensituationen.

Vergessen Sie jedoch eine wichtige Sache nicht, selbst, wenn Sie die Zustimmung des Kindes bekommen: Bis zu einem gewissen Alter können Kinder die Konsequenzen des Teilen des Fotos nicht abschätzen. Es liegt also in Ihrer Verantwortung als Erwachsener, die Konsequenzen realistisch einzuschätzen. Nutzen Sie dafür auch die oben genannten Gefahren, die mit dem Teilen eines Fotos einhergehen können.

Wenn Sie Bilder auf sozialen Medien teilen wollen, nehmen Sie sich unbedingt diese Tipps zu Herzen:

  • Keine Nacktbilder
  • Kind von hinten zeigen oder mit Sonnenbrille, Hut und anderen Dingen unkenntlich machen.
  • Emojis nutzen und auf das Gesicht setzen, um es zu verdecken.
  • Bilder unscharf machen (verpixeln).
  • Fragen Sie Ihr Kind!
  • Teilen Sie NIE personenbezogene Informationen.
  • Teilen Sie nie den vollständigen Namen des Kindes.
  • Verzichten Sie auf das Teilen des Fotos mit aktivierter Ortsbestimmung.
  • Prüfen Sie die Einstellungen Ihres Profils und stellen sicher, dass nur Menschen, die Sie kennen, die Bilder sehen können.

Und zu guter Letzt: Drucken Sie Bilder aus und machen ein Album. In der heutigen technologischen Zeit gehen diese schönen Erinnerungen immer mehr verloren. Dabei gibt es nichts Schöneres, als sich an einem gemütlichen Nachmittag oder Abend mit einer Tasse Tee auf die Couch zu setzen und während des Durchblätterns eines Fotoalbums in Erinnerungen zu schwelgen.

Zusammenfassend liegt die Entscheidung darüber, ob Sie Kinderfotos im Netz teilen, bei Ihnen und Ihrem Kind. Allerdings sprechen viele Gründe dafür, warum Kinderfotos nicht ins Internet gehören und somit auf das Teilen der Kinderfotos zu verzichten oder eben sehr vorsichtig vorzugehen und die genannten Tipps und Tricks zu berücksichtigen.

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