Kind versteckt sich

Was tun bei Schulabsentismus?

Die Schule – des einen Leid, des anderen Freud. Während einige Kinder Spaß an der Schule haben und gerne den Unterricht besuchen, bereitet einigen anderen Kindern bereits der Gedanke an die Schule Bauchschmerzen. Sie haben keine Lust auf die Hausaufgaben, den ständigen Stress und kommen auch oft mit den Lehrern nicht klar.

Viele Menschen denken, dass der Schulabsentismus einzig und alleine auf der „Null-Bock-Einstellung“ bestimmter Schüler beruht. Demnach entsteht auch das Vorurteil, dass Kinder, die die Schule schwänzen faul und allgemein lustlos sind.

Doch, was genau müssen Sie sich unter dem Begriff „Schulabsentismus“ vorstellen? Geht das Schwänzen des Unterrichts wirklich mit Faulheit einher oder steckt möglicherweise mehr dahinter? Was können Eltern machen, wenn das Kind nicht in die Schule geht?

Bei dem Thema „Schulabsentismus“ handelt es sich um ein großes und umfangreiches Thema, bei dem Drohen und Bestrafen absolut keine Lösung darstellen. Gehen Sie die Angelegenheit lieber ganz anders an und packen das Problem an seiner Quelle.

Was genau bedeutet der Begriff „Schulabsentismus“?

Kind versteckt die Augen mit dem Zopf

Zunächst einmal stellt sich die wichtige Frage, was sich überhaupt hinter dem Begriff „Schulabsentismus“ versteckt. Was müssen Sie sich darunter vorstellen? Kurz und knapp gesagt versteckt sich hinter dem Begriff „Schulabsentismus“ nichts Weiteres als eine andere Bezeichnung für das Wort „Schulverweigerer“ oder „Schulschwänzer“.

Sprich: Die Kinder gehen nicht zu Schule und glänzen nicht mit Anwesenheit im Klassenzimmer. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass der Begriff nur in Ländern seine Anwendung findet, in denen die Schulpflicht gilt.

Wer in schulpflichtigen Ländern nicht in die Schule, fällt somit unter den Begriff der „Schulverweigerer“.

Allerdings umfasst der Begriff nicht immer nur die Tatsache, dass Kinder dem Unterricht vollkommen fernbleiben. Denn der Begriff selbst umfasst auch den Umstand, dass Kinder zwar körperlich anwesend sind, den Unterricht jedoch nicht wahrnehmen oder bewusst stören.

Schätzungen zu Folge neigen zwischen 1 – 5 Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter zur Schulverweigerung. Am häufigsten tritt diese bereits im zarten Alter zwischen 5 und 6 Jahren auf.

Da stellt sich für viele Menschen die Frage, nach dem Warum. Liegt es wirklich an den Kindern oder sollte möglicherweise auch an anderer Stelle nach dem Ursprung des Problems gesucht werden? Übt die Schule möglicherweise zu viel Druck aus? Gestaltet sich die Umstellung vom Kindergarten, in dem Kinder spielen zur Schule, in der stillsitzen und lernen müssen, zu hart und nicht fließend genug?

In der Tat werden Sie im übernächsten Abschnitt sehen, dass Druck eine der Ursachen darstellt, die Kinder zum Schulabsentismus verleiten.

Unterschiedliche Arten des Schulabsentismus

Zwar bedeutet der Begriff grundsätzlich das Fernbleiben der Schule oder, wie man auch sagt: das Schwänzen des Unterrichts. Allerdings verstecken sich hinter diesem Begriff viele weitere Formen, die sich unter der Bezeichnung „Schulabsentismus“ zusammenfassen.

Wenn ein Kind den Schulbesuch verweigert, geschieht dies entweder auf der aktiven oder auf der passiven Weise.

Aktive SchulverweigerungPassive Schulverweigerung
Das Kind stört den Unterricht, verhält sich aggressiv und missachtet stets die Autorität des Lehrers.   Hält das Kind dem Druck der Schule nicht mehr Stand, bleibt es dem Unterricht vollkommen fern und schwänzt. Das Fernbleiben vom Unterricht muss nicht unbedingt den ganzen Schultag umfassen, sondern kann sich auch „nur“ auf bestimmte gezielte Stunden beziehen.Das Kind nimmt körperlich am Unterricht teil, spricht jedoch nicht, macht keine Hausaufgaben und reagiert auch auf Aufforderungen oder Aufgaben der Lehrkraft nicht.   Früher oder später bleibt das Kind mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit dem Unterricht vollkommen fern und schwänzt.

Die Ursachen für den Schulabsentismus

Kind lehnt an der Mauer

Für viele Erwachsene stellt der „Schulabsentismus“ eine Provokation der Kinder dar. In der Tat wollen viele Kinder mit ihrem Verhalten provozieren, allerdings machen sie das nicht aus Spaß. Kinder und Jugendliche wachen nicht eines Morgens einfach auf und denken sich, dass es lustig wäre, den Unterricht zu stören oder zu verweigern und am Ende sogar zu schwänzen.

Auch, wenn es Ihnen in derartigen Situationen schwerfallen mag: Bleiben Sie ruhig und verzichten auf Schimpfen oder auf Vorwürfe. Hinter dem Schulabsentismus verstecken sich in der Regel Ursachen, die Kindern und Jugendlichen zu schaffen machen. Unbehandelt verleiten diese Ursachen die Betroffenen oft zu Handlungen, wie unter anderem den Schulabsentismus.

Behalten Sie dabei immer im Hinterkopf, dass jedes Kind andere Gründe dafür hat, warum es dem Schulabsentismus verfällt und eine regelrechte Abneigung gegen die Schule entwickelt. Betrachten Sie aus diesem Grund jede Situation neutral und von mehreren Blickwinkeln, verzichten Sie auf Vergleiche und gehen auf das betroffene Kind ein. Nur so finden Sie heraus, welche Ursache(n) das Kind dazu gebracht haben, der Schule fern zu bleiben.

Häufige Ursachen

Da sich die Ursachen für den Schulabsentismus von Kind zu Kind anders gestalten, finden Sie hier die häufigsten Gründe, die Kinder dazu verleiten, dem Unterricht fernzubleiben. Allerdings schließt das nicht aus, dass hinter dem Schulabsentismus Ihres Kindes ein anderer Grund steckt.

  • Entmutigung: Das Kind hat keine Erfolgserlebnisse und fühlt sich den Schülern und Lehrkräften gegenüber minderwertig.
  • Über- oder Unterforderung: Das Kind kommt mit dem Stoff nicht mit oder es langweilt sich, weil es keinen Sinn in Stoff sieht, den es schon kennt und kann.
  • Angst: Eine der häufigsten Ursachen stellt die Angst dar. Die Angst vor einem oder mehreren Mitschülern (aufgrund von Mobbing), vor Lehrern oder auch vor Noten und Klassenarbeiten, sowie die Angst vor Prüfungen verleitet viele Schüler zum Schulabsentismus.
  • Familiäre Gründe: Gewalt in der Familie oder andere Probleme, wie eine Scheidung, ständiger Streit zwischen den Eltern, die Krankheit eines Familienmitglieds oder auch finanzielle Schwierigkeiten sorgen bei Kindern oft dafür, dass sie sich dem Schulabsentismus hingeben.

Umgang mit dem Schulabsentismus

Wissen Sie, welche Ursache oder möglicherweise auch welche Ursachen hinter dem Schulabsentismus des Kindes stecken, können Sie sehr viel besser mit der Situation umgehen und das Problem an der Wurzel packen.

Wenngleich sich jede Situation anders gestaltet, helfen Ihnen bezüglich des Umgangs mit dem Schulabsentismus einige wertvolle Tipps und Tricks, die sowohl die Eltern als auch die Schule betreffen.

Behalten Sie bei allen möglichen Lösungsansätzen immer im Hinterkopf, dass das Kind nicht gegen jemanden, sondern für sich handelt. Es handelt sich oft um einen Schutzmechanismus, durch welchen sich das Kind schützen möchte. Führen Sie sich auch immer wieder vor Augen, dass Ihr Kind Sie nicht grundlos sauer machen oder enttäuschen will. Der Schulabsentismus ist, wenn Sie so wollen, ein Schrei nach Hilfe und ein Schrei der Ursache nach Aufmerksamkeit.

Das können Sie als Eltern tun

Frau umarmt Kind

Eltern reagieren oft verzweifelt und fassungslos, wenn sie erfahren, dass ihr Kind den Unterricht stört, verweigert oder am Ende gar nicht mehr besucht. Sie fühlen sich oft hilflos und reagieren aufgrund dieser Hilflosigkeit wütend und vorwurfsvoll.

Allerdings riskieren Sie mit Vorwürfen und Schuldzuweisungen, dass sich das Kind noch mehr in sich selbst zurückzieht und Sie keinen Zugang mehr zu ihm finden.

Ja – es fällt schwer ruhig zu bleiben, wenn das Kind augenscheinlich vollkommen grundlos die Schule schwänzt. Lassen Sie den ersten Moment des Ärgers und der Enttäuschung verfliegen und öffnen sich empathisch für das Kind und seine Situation.

Mit folgenden Tipps und Tricks können Sie dem Schulabsentismus Ihres Kindes begegnen:

  • Finden Sie die Ursache heraus, in dem Sie das Kind beobachten oder mit ihm sprechen. Schaffen Sie für ein offenes, vorurteils- und vorwurfsfreies Gespräch eine angenehme Gesprächsatmosphäre.
  • Sehen Sie von starken negativen Emotionen, wie Wut und Enttäuschung ab.
  • Verstehen Sie die Probleme Ihres Kindes und wechseln Sie Ihren Standpunkt. Versetzen Sie sich in Ihr Kind hinein und sehen seine Situation aus seinem Standpunkt heraus. Dieser Perspektivwechsel hilft oft dabei, Situationen besser zu verstehen und nach zu vollziehen.
  • Erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Kind einen Aktionsplan und finden eine Lösung. Beziehen Sie Ihr Kind dabei aktiv mit in die Lösungsfindung mit ein. Üben Sie dabei keinen Druck aus, sondern nehmen die Vorschläge des Kindes ernst.

Arbeiten Sie an sich selbst!

Finden Sie dem Rahmen der Suche nach der Ursache für den Schulabsentismus heraus, dass Sie als Eltern die Ursache darstellen, zeigen Sie Ihrem Kind gegenüber Transparenz. Oft fällt es Eltern, die selbst mit schwierigen Situationen zu kämpfen haben, gar nicht auf, inwiefern sie ihr Kind damit beeinflussen. Verändern Sie etwas an Ihrem Verhalten und nehmen die Vorbildrolle ein, die Ihr Kind von Ihnen braucht. Suchen Sie sich unter Umständen professionelle Hilfe, um Ihr Problem zu lösen. Lösen Sie Ihre Probleme, entspannt sich in der Regel auch das Kind direkt.

Das kann die Schule tun

Zwei Erwachsene vor einer Tafel

Wie Sie bereits im Abschnitt bezüglich der Ursachen sehen konnten, liegen die Ursachen nicht immer in der Familie. In einigen Fällen konditionieren innerschulische Ursachen den Schulabsentismus eines Kindes. In diesem Fall können Eltern das Problem nur bedingt lösen und sollten unbedingt die Schule mit ins Boot holen:

  • Wenden Sie sich an den Klassenlehrer des Kindes. Er stellt den zentralen Ansprechpartner für Ihr Kind und somit auch für Sie dar. Am besten vereinbaren Sie einen Termin für ein Elterngespräch, sodass sich die Lehrkraft bewusst Zeit für Sie nehmen kann. Zwischen Tür und Angel besprechen sich diese Angelegenheiten in der Regel nicht sehr gut. Ist das Kind bereit dazu, laden Sie auch das Kind dazu ein, dem Gespräch beizuwohnen. Sehen Sie allerdings von Zwang und Druck ab.
  • Beziehen Sie den Schulsozialarbeiter, den Vertrauenslehrer oder unter Umständen auch den Schulpsychologen mit in das Gespräch mit dem Klassenlehrer ein.
  • Verweigert das Kind aufgrund von Mobbing oder Diskriminierung durch Mitschüler den Schulbesuch binden Sie auf jeden Fall die Eltern der jeweiligen Kinder mit ein.

In einigen Fällen haben Kinder Angst vor dem Lehrer. Auch Lehrer sind Menschen und verhalten sich nicht immer richtig. Nicht immer gehen sie ihrer Vorbildfunktion nach, wobei das Gespräch mit genau dieser Lehrkraft oft keine Früchte trägt.

In diesem Fall haben Sie die Möglichkeit sich an die bereits erwähnten Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen zu wenden. Weitere Stellen und Personen, an die Sie sich ebenfalls wenden können sind:

  • Die Schulleitung
  • Das Jugendamt
  • Das Arbeitsamt
  • Der Elternrat der Schule
  • Der Landeselternrat des Bundeslandes, in dem Sie wohnen

Keep calm and stay focused!

Bleiben Sie ruhig und bewahren stets den Fokus. Der Schulabsentismus stellt kein leichtes Thema dar und bringt sowohl die Kinder selbst, als auch ihre Eltern oft an ihre Grenzen. Vielleicht reißen alte Wunden auf. Möglicherweise nehmen Sie einen Blickwinkel ein, der Ihnen so vorher gar nicht bewusst war. Vielleicht erkennen Sie, dass Sie selbst an sich arbeiten müssen, um Ihrem Kind ein Vorbild zu sein.

Mit Ruhe und Empathie finden Sie die Ursache für den Schulabsentismus des Kindes. Sie befinden sich nicht alleine in der Situation, sondern verfügen über unterschiedliche Hilfestellen, die Ihnen ihre Hilfe anbieten. Ziehen Sie mit dem Kind und anderen helfenden Menschen an einem Strang, bestehen gute Chancen, dass Sie den Schulabsentismus des Kindes überwinden und es schon bald wieder in die Schule geht. Unter Umständen hilft bei nahezu aussichtslosen Situationen auch ein Schulwechsel – ein klarer Schnitt und ein klarer Neuanfang in Kombination mit der Arbeit an den Ursachen.

Behalten Sie zudem die zwei finalen Tipps im Hinterkopf:

  • Bleiben Sie immer verständnisvoll und freundlich, seien Sie zu derselben Zeit jedoch bestimmt.
  • Bedingen Angststörungen oder Depressionen (allgemein psychische Umstände) den Schulabsentismus, spielen Sie diesen Umstand auf keinen Fall herunter. Suchen Sie für Ihr Kind eine Therapie, in der es professionelle Hilfe durch einen Fachmann erhält.

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