Kind mit Kopfhörern

Wie merke ich, dass mein Kind Autist ist?

Jedes Kind entwickelt sich nicht nur in seinem eigenen Tempo, sondern auch auf seine ganz eigene Art. Sicherlich stellen Experten Meilensteine in dem Bezug auf die kindliche Entwicklung auf, die Eltern als Orientierung dienen. Dennoch sind sie nicht in Stein gemeißelt und jedes Kind erreicht die Steine in seinem individuellen Tempo. Bei einigen Eltern kommt allerdings die Frage „Wie merke ich, dass mein Kind Autist ist?“ auf.

Viele Experten raten davon ab, Kinder untereinander zu vergleichen. Allerdings steht das nicht im Gegensatz zu der Beobachtung des eigenen Kindes. Sie können ein Kind beobachten und sein Verhalten, sowie seine Entwicklung analysieren, ohne es zu bewerten oder mit anderen gleichaltrigen Kindern zu vergleichen.

Die Beobachtung der Kinder spielt aus dem Grund eine so große Rolle, um mögliche Krankheiten, wie zum Beispiel Sprachentwicklungsstörungen und auch Autismus rechtzeitig erkennen zu können.

Doch, wie merke ich, dass mein Kind Autist ist? Drängen sich die Symptome ins Rampenlicht und machen mit dem Megafon auf sich aufmerksam oder schleichen sie sich versteckt und nahezu unbemerkt ein, sodass Sie schon sehr genau hinsehen müssen, um sie zu entdecken?

Welche Symptome gehen mit dem Autismus einher? All diese Fragen stellen Fragen dar, die sich viele Eltern stellen. Dieser Artikel gibt eine Antwort auf diese Fragen und führt Sie etwas näher in das recht umfangreiche und für viele noch nicht sonderlich greifbare Thema „Autismus“ heran. Im Anschluss erhalten Sie für sich möglicherweise eine Antwort auf die Frage „Wie merke ich, dass mein Kind Autist ist?“

Was genau ist eigentlich Autismus?

Kind spielt mit Spielsachen

Bevor Sie auf Anzeichen und Symptome achten, die eine Antwort auf die Frage „Wie merke ich, dass mein Kind Autist ist?“ geben könnten, sollten Sie wissen, was der Begriff „Autismus“ überhaupt bedeutet. Was können Sie sich hinter dieser Krankheit vorstellen? Kurz und knapp gesagt steckt hinter dem Autismus eine Entwicklungsstörung im Gehirn, die sehr tief greift.

Dabei trifft die Krankheit jeden Menschen, der unter ihr leidet, anders. In der Medizin unterscheiden die Fachkräfte zwischen vielen unterschiedlichen Ausprägungen, die jeweils anders ausfallen – auch bezüglich der Stärke. Demnach verzichten Fachkräfte oft darauf, die Krankheit mit dem allgemeinen Begriff „Autismus“ zu bezeichnen. Stattdessen nennen sie sie „Autismus-Spektrum-Störung“.

Wie schon gesagt, trifft die Störung einige Menschen stärker als andere. So kommt es, dass die Medizin die von Autismus betroffenen Menschen in mehrere Beeinträchtigungs-Stufen einteilt. Unter anderem finden sich dabei die folgenden Stufen wieder:

  1. Leicht beeinträchtigst
  2. Schwerbehindert
  3. Mehrfachbehindert

Aufgrund der Tatsache, dass die Medizin den Autismus nicht zu heilen weiß, leben die Menschen nach der Diagnose ein ganzes Leben lang mit der Störung. Je nach Intensität der Störung, sind einige Menschen ein Leben lang auf Hilfe angewiesen.

Die Wichtigkeit der frühen Diagnose

Kind schreit

Der Spruch „besser später als nie“ mag zwar durchaus seine Berechtigung besitzen, doch in dem Fall der Diagnose einer Autismus-Störung trifft eher der Spruch „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“ zu. Denn bezüglich der Autismus-Störung spielt eine frühzeitige Diagnose, am besten bereits in frühen Kinderjahren, eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich die Frage „Wie merke ich, dass mein Kind Autist ist?“ bewusst stellen.

Je früher die Krankheit erkannt wird, umso mehr Möglichkeiten bietet die Medizin, um Betroffenen das Leben zu erleichtern:

  • Die Klarheit der Situation hilft Eltern dabei herauszufinden, wie sie ihr Kind am besten fördern und unterstützen können.
  • Je früher die Therapie startet, umso bessere Chancen bestehen für Betroffene, dass sie ein eigenständiges Leben führen und sich in der Gesellschaft zurechtfinden können.
  • Je früher Eltern wissen, dass ihr Kind aufgrund der Autismus-Störung bestimmte Verhaltensweisen aufweist, verzichten sie darauf, diese als negativ zu betrachten oder das Kind für sie zu Verantwortung zu ziehen.

Sicherlich fällt es nicht leicht, sich selbst einzugestehen, dass das eigene Kind Autist sein könnte. Eltern scheuen sich oft vor dem Besuch beim Arzt, weil die Angst vor der lebensverändernden Diagnose dominiert. Dennoch ist es wichtig, dass Eltern diese Angst besiegen und zum Wohl ihres Kindes – für das sie nur das Beste wollen – einen Arzt aufsuchen und für Klarheit sorgen.

Symptome von Autismus

Kind hält sich Hände vor das Gesicht

Auch, wenn die Autismus-Störung in vielen unterschiedlichen Abstufungen bei Betroffenen auftritt, kann durchaus ein Muster bezüglich der Symptome erkannt werden. Dieses Muster hilft Ihnen dabei, eine Antwort auf die Frage „Wie merke ich, dass mein Kind Autist ist?“ zu bekommen.

Allerdings muss auch in diesem Zusammenhang immer vorsichtig vorgegangen werden. Lassen Sie sich nie nahezu verleiten, selbst eine Diagnose stellen zu wollen.

Einige Kinder erledigen Dinge gerne immer in einer bestimmten Reihenfolge und verbringen die Zeit lieber alleine als in Gesellschaft – zwei Symptome, die auf Autisten zutreffen, Ihr Kind jedoch nicht automatisch zum Autisten machen.

Beobachten Sie Ihr Kind und wenden sich, sofern Sie das Gefühl haben, dass mehrere Symptome auf Ihr Kind zutreffen, voller Vertrauen an einen Fachmann. Erst er führt die notwendigen Untersuchungen durch, die anschließend zu einer Diagnose führen können.

Bedenken Sie diesbezüglich, dass sich die ersten Hinweise auf ein autistisches Verhalten ab dem dritten Lebensjahr zeigen. Vor allem zwei Bereiche bringen die Alarmleuchten zum Blinken:

  • Das Verhalten des Kindes gegenüber anderen Menschen
  • Die Besonderheiten im eigenen Verhalten
  • Beide dieser Bereiche bringen jeweils Symptome mit sich, die Sie im Hinterkopf behalten können, während Sie Ihr Kind beobachten.

Aber, wie gesagt – lassen Sie sich nicht zu voreiligen Diagnosen hinreißen und sehen davon ab, vor ihrem Kind Vermutungen darüber zu äußern, dass es Autist sein könnte.

Das Verhalten des Kindes gegenüber anderen Menschen

Die eine Seite der Medaille der Symptome der autistischen Störung stellt das Verhalten des Kindes gegenüber seinen Mitmenschen dar. Achten Sie auf folgende Symptome und beobachten Ihr Kind über einen längeren Zeitraum hinweg. So können Sie für sich feststellen, ob sich die Symptome hartnäckig halten oder, ob einige von ihnen vielleicht verschwinden.

Bei den Symptomen handelt es sich um die Folgenden:

  • Kaum eine Reaktion auf andere Mitmenschen.
  • Ein Gespräch zu starten stellt ein großes Problem dar.
  • Die Wiederholung und Verwendung bestimmter Wörter.
  • Der Blickkontakt wird kaum gehalten.
  • Der richtige Einsatz der eigenen Körpersprache fällt schwer.
  • Schwierigkeiten damit, eine Beziehung zu gleichaltrigen Kindern aufzubauen.
  • Reaktionen fallen oft ungewöhnlich und nur sehr schwer einschätzbar aus.

Behalten Sie dabei immer im Hinterkopf, dass einige Kinder schlicht und ergreifend eher schüchtern sind. Nur, weil sie Schwierigkeiten mit der Interaktion haben, bestätigt dieser Umstand nicht direkt die Annahme, dass das Kind Autist ist.

Die Besonderheiten im eigenen Verhalten

Vermuten Sie eine autistische Störung bei Ihrem Kind beobachten Sie es nicht nur bezüglich der Interaktion mit seinen Mitmenschen. Beobachten Sie auch, wie sich Ihr Kind mit sich selbst verhält. Achten Sie dabei vor allem auf die Symptome, die oft mit einer autistischen Störung einhergehen:

  • Sehr starke Konzentration auf eine bestimmte Sache oder auf einen Gegenstand. Diese Sache oder der Gegenstand genießt die volle und ungeteilte Aufmerksamkeit des Kindes.
  • Schwierigkeiten bezüglich der Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken. Dieser Umstand führt nicht selten zu einer Überforderung. Unter Umständen leuchtet das Licht zu laut oder die Geräusche sind zu laut.
  • Wiederholen in der Regel sehr eintöniger Handlungen.
  • Interesse für Ordnungssysteme. Nicht selten stellen diese Ordnungssysteme Symbole oder Zahlen dar.
  • Leidenschaftliches Interesse für ein bestimmtes Thema. Dieses Interesse dauert dabei in der Regel das ganze Leben hinweg an oder ändert sich nur gering.
  • Angst vor allem, was die gewöhnte Routine durchbricht. Das kann bereits ein unangekündigter Besuch sein. Autisten verlangen in der Regel eine intensive Vorbereitung auf eine Änderung.
  • Unflexibles Festhalten an Gewohnheiten und Routinen.
  • Probleme mit dem Einschlafen und Durchschlafen
  • Angst vor Berührungen. In einigen Fällen haben Autisten nicht nur Angst vor Berührungen, sondern empfinden Schmerz, wenn sie angefasst werden.
  • Neigung zu unkontrollierbaren und unvorhergesehenen Handlungen – unter ihnen nicht selten auch die Selbstverletzung.

Die Sprache bei der autistischen Störung

Erhobener Zeigefinger vor Mund

Da sich jede autistische Störung anders gestaltet und manifestiert, weisen nicht alle Autisten die genannten Symptome auf. Ein Symptom, das sich beispielsweise bei Autisten mehr oder weniger stark manifestiert, stellt das Symptom der Sprachstörungen dar. Durch die oft fehlende oder mangelhafte Interaktion mit dem Umfeld, kommen Autisten nur bedingt in den Kontakt mit der Sprache.

Sie nehmen sie nicht wahr und lernen sie somit auch nicht gut und nicht richtig. Denn bezüglich der Muttersprache und auch weiterer Sprachen greift oft das Prinzip „Learning by doing“. Bei Autisten fällt jedoch oft der Aspekt der Interaktion und der Reaktion auf die Mitmenschen, sodass sich bei vielen Autisten früher oder später nicht nur Sprachentwicklungsverzögerungen, sondern auch Sprachentwicklungsstörungen manifestieren.

Einige Kinder sprechen gar nicht, während andere zwar durchaus einen Wortschatz aufbauen, jedoch auf Probleme des sozialen Aspektes der Sprache treffen. Während kein kleines Kind Ironie versteht (in der Regel verstehen Kinder erst ab dem Alter von 10 Jahren Ironie), erlangen Kinder mit einer autistischen Störung dieses Verständnis nie. Sie verstehen weder Ironie noch Witze und treffen sowohl im Bereich der verbalen, als auch im Bereich der nonverbalen Kommunikation auf Probleme.

Verbale KommunikationNonverbale Kommunikation
Oft sprechen Kinder mit einer autistischen Störung verändert, spät oder gar nicht.Kinder mit einer autistischen Störung haben Probleme damit Gesten und Gesichtsausdrücke – allgemein die Körpersprache – der Mitmenschen zu verstehen und zu deuten. Gleichzeitig fällt es ihnen auch schwer ihre eigene Körpersprache umzusetzen.

Gemeinsam verschieden – verschiedene Autisten und gleiche Symptome

Sie wissen nun schon, dass der Autismus viele Seiten mit sich bringt und sich jede Autismus-Störung somit anders manifestiert. Allerdings verbinden sich alle Diagnosen, die sich gemeinsam unter dem Mantel des großen Autismus-Spektrums, befinden, in einigen Symptomen.

Ganz egal, welche Form, Ausprägung und Intensität der autistischen Störung die betroffenen Kinder und später auch betroffenen Erwachsenen aufweisen, finden sich bei allen Autisten die folgenden Symptome wieder:

  • Probleme in sozialen Situationen
  • Schwierigkeiten mit der Kommunikation und der Empathie
  • Keine Flexibilität bezüglich des eigenen Verhaltens und große Probleme damit, mit Veränderungen umgehen zu können.

Vermuten Sie also, dass Ihr Kind Autist sein könnte, bewahren Sie zunächst einmal die Ruhe und beobachten Sie Ihr Kind. Gehen Sie unvoreingenommen an die Beobachtung heran, sehen Sie von vergleichen ab und schalten die schrillen Alarmglocken aus, die bereits bei einem zutreffendem Symptom Panik schieben.

Die Symptome, die Sie in diesem Artikel gelesen haben, stellen nur einige von vielen dar. Selbst, wenn einige Symptome auf Ihr Kind zutreffen sollten, bedeutet das nicht, dass ein Fachmann Ihrem Kind die Diagnose „Autist“ ausstellen wird.

Da die autistische Störung aus einem großen Spektrum besteht und sich in vielen unterschiedlichen Ausführungen manifestiert, suchen Sie am besten einen Facharzt auf. Dieser führt die notwendigen Untersuchungen durch und gibt Ihnen zu guter Letzt die Antwort auf Ihre Frage, ob Ihr Kind ein Autist ist oder nicht.

Sobald Sie die Diagnose haben und Klarheit die Situation beherrscht, haben Sie mit der Unterstützung des Fachmanns die besten Chancen, um Ihr Kind auf die beste Weise fördern und unterstützen zu können.

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