Wie lernen Erstklässler lesen?

Junge und Mädchen mit Büchern

Lesen stellt eine wichtige und fundamentale Fähigkeit dar, um sich in der heutigen Zeit zurecht zu finden. Natürlich gibt es immer einige Menschen, die weder lesen noch schreiben können – alleine in Deutschland leben 6,2 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Dennoch gehen die meisten Menschen davon aus, dass alle anderen Menschen lesen und schreiben können. Schließlich handelt es sich beim Lesen und beim Schreiben um zwei Fähigkeiten, die im Alltag als unerlässlich gelten. Doch, wie lernen Erstklässler lesen?

Grundsätzlich ist es nach dem Motto „besser spät als nie“ nie zu spät, um mit dem Lesen anzufangen. Allerdings schämen sich viele Erwachsene dafür, wenn sie nicht über die Fähigkeiten des Lesens und des Schreibens verfügen.

In der Tat lernen Menschen das Lesen und anschließend auch das Schreiben bereits in jungen Jahren in der Schule. Einige Kinder fangen auch bereits in der Vorschule damit an und interessieren sich auch schon mit 3 oder 4 Jahren für Buchstaben und das geschriebene Wort.

Doch, wie lernen Erstklässler lesen? Was können Sie machen, um Kinder zu fördern und ihnen beim Erlernen dieser nahezu unabdinglichen und wichtigen Fähigkeit helfen zu können?

Wann Kinder lesen lernen und wie lange es dauert

kleines Kind mit Buch

Bevor Sie sich die Frage stellen, wie Erstklässler lesen lernen, sollten Sie wissen, wann Kinder mit dem Lesenlernen starten. In der Regel lernen Kinder bereits in der Vorschule oder spätestens in der ersten Klasse lesen. In vielen Fällen kommen Kinder auch schon vorher in den Kontakt mit den Buchstaben und können auch schon ihren eigenen Namen schreiben, bevor sie in die erste Klasse kommen. Dennoch fangen Kinder im Durchschnitt in der ersten Klasse an, die Buchstaben zu lernen, zusammenzufügen und folglich später lesen zu können.

Um eine neue Fähigkeit zu erlernen, brauchen die Kinder Zeit. Sie können nicht von einen auf den anderen Tag einfach so lesen.

Stellen Sie sich einmal vor, man stelle sie vor Hieroglyphen und verlange von Ihnen diese korrekt vorzulesen und zu entziffern – ein Ding der Unmöglichkeit.

Für ein Kind, das noch nicht in Kontakt mit den Buchstaben getreten ist, stellen Buchstaben genau das dar – Hieroglyphen, mit denen es im ersten Moment nichts anfangen kann. Folglich muss ein Kind eine Übersetzung für diese Hieroglyphen finden. Oder besser gesagt: Es muss die passenden Laute zu jedem einzelnen Buchstaben lernen, sich diese merken und dann in logische Zusammenhänge setzen.

Dieser Vorgang nimmt Zeit in Anspruch, die Kindern auch immer gewährt werden sollte. Üben Sie auf keinen Fall Druck aus, sondern gehen Sie mit Geduld und Zeit an das Lesenlernen heran.

Durchschnittlich braucht ein Kind mindestens ein halbes bis zu 2 Jahren, um Lesen perfekt lernen und anschließend beherrschen zu können.

Diese Hilfsmittel dienen beim Lernen

Buchstaben bilden das Wort "friends"

Vielleicht erinnern Sie sich an Ihre Schulzeit zurück und wissen noch, wie Sie damals lesen gelernt haben. Möglicherweise liegt in Ihrem Keller oder auf Ihrem Dachboden noch ein altes Erinnerungsstück an Ihre Grundschulzeit. Kennen Sie noch die kleinen Kästchen mit den Buchstaben, die Sie aneinanderreihen konnten, um Wörter zu bilden?

Diese Lesekästchen finden heute zwar durchaus noch ihre Anwendung, genießen jedoch nicht die große Beliebtheit, wie in den 80er und 90er Jahren. Wie Erstklässler lesen lernen hat sich also im Laufe der Zeit durchaus etwas verändert.

Vielmehr bedienen sich die Lehrkräfte in der Grundschule heute einer Anlauttabelle oder einer Fibel. Oft greifen sie auch auf eine Kombination beider Hilfsmittel zurück, um Kindern die Buchstaben näherzubringen und sie somit nach und nach immer mehr der Fähigkeit des Lesens anzunähern.

AnlauttabelleFibel
Es handelt sich um eine Sammlung aller Laute aus der deutschen Sprache. Diese Laute stehen einzeln auf einer Seite oder auf einer Karte und werden immer einem bekannten Tier oder Gegenstand zugeordnet. So steht zum Beispiel neben dem A ein Affe oder neben dem T ein Tiger.Unter einer Fibel versteht man ein spezielles Lesebuch für Erstklässer. Sie bietet den Kindern viele unterschiedliche methodische Ansätze, um sich die Fähigkeit des Lesens aneignen zu können.   So üben Kinder unter anderem Verbindungen von Silben, wie zum Beispiel ma-me-mi, wobei die Texte diese Verbindungen auch optisch hervorheben. Das geschieht durch das zweifarbige Abdrucken bestimmter Worte oder Wortteile.

Welche Voraussetzungen muss das Kind erfüllen?

Die wohl wichtigste Voraussetzung, die ein Kind erfüllen muss, um Lesen zu lernen, stellt die sogenannte „phonologische Bewusstheit“ dar.

Unter diesem Begriff versteht man die Fähigkeit, die Struktur der Sprache erkennen zu können. Sprich: Das Wahrnehmen, Wiedererkennen und bewusste Nutzen der Silben und Laute.

Wie Sie sich vielleicht bereits denken können, stellt das Lesen keine Sache dar, die Menschen einfach zwischen Tür und Angel lernen. Vielmehr handelt es sich um einen komplexen Prozess, der sich aus vielen unterschiedlichen Schritten und Teilfertigkeiten zusammensetzt.

Das Dekodieren

Ein laut hat oft mehrere Schreibweisen. Kinder müssen das lernen und Buchstaben mit den jeweiligen Lauten verknüpfen.

Ein Laut, mehrere SchreibweisenDer laut „F“ dieser Worte wird bei allen Worten gleich gesprochen, je nach Wort jedoch anders geschrieben: F-enster V-ogel Ph-ilosophie   Und war es die Ph-antasie oder die F- antasie?   Mit Sicherheit haben auch Sie ab und an Schwierigkeiten damit, die richtige Schreibweise für einen Laut zu finden. Haben Sie deshalb vor allem bei Kindern Geduld.
Eine Schreibweise, mehrere LauteDer laut „ch“ wird bei den folgenden Worten gleich geschrieben, jedoch je nach Wort jeweils anders ausgesprochen: Mil-ch Lo-ch Fu-ch-s

Das Erkennen und das Verbinden

Zwei Kinder und ein Erwachsener mit Buchstabenwürfeln

Es reicht nicht, die einzelnen Silben und Laute zu sehen, sondern sie müssen auch erkannt und erfasst werden. Nur, wenn ein Kind die Buchstaben und Laute, sowie die Silben erkennt und erfasst, erfüllt es die Voraussetzung, die es braucht, um die einzelnen Wörter, Silben und Laute voneinander unterscheiden zu können.

Verfügt das Kind über ein Verständnis für die einzelnen Silben und Laute, kann es dieses Wissen im Anschluss daran nutzen, um ganze Wörter zu bilden.

Das Verständnis für Wort und Text

Aufgeschlagenes Buch

Sobald ein Kind ganze Worte bilden kann, befindet es sich noch nicht am Ende des Lernprozesses. Denn die Lesekompetenz umfasst neben dem Erkennen und dem Bilden der einzelnen Worte einen weiteren sehr wichtigen Schritt. Es handelt sich um das Verständnis für die einzelnen Worte und ihren Zusammenhang in einem Text.

Kinder müssen lernen, die Wörter im Zusammenhang zu erfassen und ganze Texte zu verstehen. Für diese Zwecke fangen Lehrkräfte in der Schule in der Regel mit kurzen Abschnitten an und steigern die Länge, sowie auch die Schwierigkeit erst nach und nach.

Wie Sie sehen, stelle das Lesen eine nicht zu unterschätzende Koordinationsaufgabe dar. Um das Lesen zu verinnerlichen und es zu einer selbstverständlichen Fähigkeit werden zu lassen, braucht Ihr Kind demnach Zeit und Geduld.

Übungen zum Lesenlernen

Wie Erstklässler lesen lernen, kann durchaus von Schule zu Schule variieren. Ebenso nimmt das Lesenlernen, wie schon gesagt, Zeit und Geduld in Anspruch. Üben Sie aus diesem Kund keinen Druck auf das Kind auf, sondern fördern Sie es auf die beste Art. Ihr Kind soll Lesen nicht mit einer unangenehmen Pflicht verbinden, sondern es soll Spaß daran finden, die Texte zu lesen und seiner Fantasie dabei freien Lauf lassen zu können.

Anlauttabelle oder Anlautplakat

Wie Sie nun schon wissen, stellt das Erkennen der Buchstaben eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen dar, um Lesen zu lernen.

Greifen Sie demnach auf eine Anlauttabelle oder auf ein Anlautplakat zurück und verwandeln dieses in ein interessantes und spaßiges Spiel für Ihr Kind:

  • Sie zeigen auf ein Bild und Ihr Kind nennt erst das Wort und dann den richtigen Laut.
  • Sie erzählen eine Geschichte und binden die Figuren, die sich auf der Anlauttabelle wiederfinden in die Geschichte ein. Ihr Kind zeigt während des Zuhörens auf alle Dinge und Laute, die es beim Lesen hört und erkennt.

Silbenkarten

Neben dem Erkennen der Laute stellt auch das richtige Zusammenziehen von Silben eine fundamentale Grundvoraussetzung für das Lesen dar. Nutzen Sie einzelne Kärtchen und schreiben verschiedene Silben (einmal beginnend mit einem Groß- und einmal mit einem Kleinbuchstaben) auf die Kärtchen. Anschließend können Sie mit diesen Kärtchen verschiedene Spiele spielen:

  • Legen Sie die Kärtchen verdeckt auf den Tisch. Jeder Spieler darf nun der Reihe nach ein Kärtchen umdrehen und vorlesen. Wer die Silbe richtig vorliest, darf sie behalten. Gewonnen hat der Spieler, der am Ende die meisten Karten besitzt.
  • Bilden Sie eine Straße aus verschiedenen Silben und platzieren eine kleine Süßigkeit auf einzelne Karten. Nun darf das Kind würfeln. Um die Schritte gehen zu dürfen, muss es die Silben jedoch korrekt vorlesen. Kommt es an dem Feld mit der Süßigkeit vorbei, darf es diese essen.
  • Legen Sie Bilder von Gegenständen gemeinsam mit passenden Silbenkärtchen auf den Tisch und lassen das Kind den Gegenstand aus den einzelnen Silben legen. Fangen Sie dabei mit kurzen Worten an und Steigern sich langsam. Legen Sie beispielsweise das Bild eines Vogels auf den Tisch, braucht Ihr Kind die beiden Silben „Vo“ und „gel“. Bei der Schokolade brauchte es vier Silben: „Scho“, „ko“, „la“ und „de“.

Leseaufgaben

Eine Methode, wie Erstklässler lesen lernen, besteht in den Leseaufgaben. Kinder brauchen Motivation, um auch weiterhin Spaß und Freude am Lesen zu empfinden. Umso wichtiger ist es, dass Sie für Abwechslung sorgen und das Kind während des Lesens bei Laune halten.

Am besten schreiben Sie einfache Sätze auf einen Zettel, wie:

  • Male einen Schmetterling.
  • Hole bitte eine Gabel.
  • Geh bitte in die Küche.

Lassen Sie das Kind die Sätze lesen und die Handlung durchführen, um so zu prüfen, ob es den Satz direkt richtig verstanden hat.

Sie können auch Behauptungen aufschreiben und das Kind diese verbessern lassen. Einige Behauptungen können dabei natürlich auch richtig sein:

  • Der Himmel ist lila.
  • Der Hund macht Wau.
  • Der Apfel ist Gemüse.
  • Du bist … Jahre alt.
  • etc.

Haben Sie immer Geduld und zwingen Ihr Kind nicht zum Durchführen der Übungen. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass das Lesen Ihrem Kind in aller erster Linie Freude bereiten sollte.

Sollte Ihr Kind auch nach einiger Zeit keinen Zugang zu den Grundvoraussetzungen für das Lesen bekommen und sich schwertun, sollten Sie diesen Umstand etwas genauer beobachten. Zwar entwickelt sich jedes Kind unterschiedlich und in seinem eigenen Tempo, dennoch deuten einige Anzeichen auf eine mögliche Leseschwäche hin:

  • Wenig oder gar keine Motivation das Lesen zu lernen.
  • Die Laut- und Silbenverbindung fällt sehr schwer.
  • Das Zuordnen und auch Lernen von Buchstaben stellt das Kind vor große Schwierigkeiten.
  • Ähnliche Buchstaben und Laute werden auch nach langer Zeit immer verwechselt.
  • Das Kind versteht Textinhalte nur schwer oder unter Umständen gar nicht.

Allerdings schließt sich der Lernprozess nicht von heute auf morgen ab und ein Kind braucht Zeit, um das Lesen lernen zu können. Es stellt einen vollkommen normalen Umstand dar, wenn ein Kind Zeit braucht, um sich an das Erkennen von Buchstaben und Silben, sowie das Verbinden der einzelnen Bestandteile eines Wortes zum Wort zu gewöhnen.

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